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Weilburg

Weinbau an der Lahn: Historische Sorten haben ihre Liebhaber

 

aktualisiert: 06.09.2017, 17:03 Uhr

In Weilburg gibt es einen neuen Verein – den Oberlahn-Winzerverein. Die Mitglieder haben es sich auf die Fahnen geschrieben, alte, historische Rebsorten im Oberlahngebiet wieder einzuführen.

 Wein, produziert an der Lahn, hat eine große Zukunft, wenn es nach dem Willen der Weilburger Winzer geht, die sich jetzt in einem Verein zusammengeschlossen haben.  Foto: Ulrike Sauer
Wein, produziert an der Lahn, hat eine große Zukunft, wenn es nach dem Willen der Weilburger Winzer geht, die sich jetzt in einem Verein zusammengeschlossen haben.
Foto: Ulrike Sauer

Vorsitzender des Vereins ist Terrill Eckert, sein Stellvertreter Peter Girt. Von den 22 Mitgliedern sind 9 zugleich Mitglied im Obst- und Gartenbauverein, dessen Mitglieder bereits seit 2006 Wein anbauen und die alten Sorten pflegen. Dafür sucht der neu gegründete Verein nach geeigneten Grundstücken, auf denen Weinbau möglich ist, bevorzugt sind Südhänge.

Seit einigen Jahren baut Eckert Wein an, mit den Sorten „Roter Riesling“ und „Cabernet cortis“ und mit dem Winzerkollegen Hartmut Orendi die Sorten „Allegro“ und „Bolero“. In den vergangenen Jahren sind in Runkel auf dem historischen Rotweinberg sowie in Gräveneck und Hasselbach neue Weinberge entstanden. In den Terrassengärten des Obst- und Gartenbauvereins gedeihen die Sorten „Früh Burgunder“, „Rondo“, „Roter Riesling“ und „Saphira“. „Der Ertrag beträgt nur wenige Hundert Flaschen, da Qualität Vorrang vor Quantität hat“, meint Eckert. Es werde sich zeigen, dass moderne Anbautechnik, gepaart mit geeigneten Sorten, geprägt durch Lahnklima und Boden, hervorragende Weine ergebe.

Zwischen 1620 und 1790 habe die Kleine Eiszeit Weinbau in klimatisch ungünstigen Lagen unrentabel gemacht. Weinbau sei in Weilburg sehr verbreitet gewesen, davon zeugten die vielen Flurnamen. Es habe Weinberge am Kapellenberg unterhalb der jetzigen Adolfstraße gegeben, zwischen der Von-Dungern-Straße, Auf dem Dill, Auf der Lützelbach und im Keilswingert.

Aber auch in Kubach, in Gaudernbach, in Kirschhofen, in Hasselbach und in Drommershausen wurde damals Wein angebaut. „Krankheiten der Reben wie Echter Mehltau, Falscher Mehltau und die Reblaus, die zwischen 1856 und 1870 aus Nordamerika nach Europa importiert wurden, hatten keinen Einfluss auf den Rückgang des Lahnweinanbaus“, sagt Eckert, denn zu dieser Zeit sei die Lahn als Weinbaugebiet nicht mehr von Bedeutung gewesen. Nur wenige Weinbauflächen hätten das Ende des 19. Jahrhunderts überlebt.

Um 1800 herum hätten einige Winzer in Dausenau und Runkel Spitzenweine produziert. 1867 habe der „Runkeler Rote“ Spätburgunder in Paris eine Bronzemedaille erhalten. „Der Weißwein war nicht für seine hervorragende Qualität bekannt, sondern dafür, dass er oft dünn und sauer war“, erläutert Eckert.

Schon viele Jahre steht der Obst- und Gartenbauverein in Verbindung mit der Hochschule Geisenheim, dem Institut für Rebenzucht, der ältesten Bundesforschungsanstalt für Wein und Obst, gegründet 1872. Kürzlich hat eine Abordnung des Institutes um Professor Ernst Rühl Weilburg und den neuen Verein besucht. „Wir haben quasi einen kleinen Betriebsausflug in die Lahnstadt unternommen“, sagt Rühl, damit seine Mitarbeiter sehen, woher die Reben stammen. Sie wollten sehen, welche Sorten es hier vor 500 Jahren entlang der Lahn gab.

Seit 1971 seien die Rebflächen in Obernhof und Weinähr dem Mittelrhein angegliedert. Seit 1984 dürfe Wein gewerblich außerhalb eingetragener Weinbaugebiete nicht angebaut werden. Hobby-Weinbau sei auf einer Fläche von 100 Quadratmeter pro Erwachsenen begrenzt; Vereine oder Gruppen dürften mehr anbauen. Trotz dieser von der EU erlassenen Einengung erlebe der Weinbau an der Lahn zwischen Staffel und Hadamar über Dietkirchen, Runkel, Villmar, Aumenau, Gräveneck, Kirschhofen, Weilburg bis Tiefenbach bei Braunfels eine Wiedergeburt. Die Abordnung aus Geisenheim begutachtete die Weinberge von Peter Girt in Gräveneck und von Orendi in Kirschhofen, wurde durch den Terrassengarten geführt, und am Ende gab es noch am Weinkeller eine Weinprobe.

Von Sabine Gorenflo