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Winzernachricht 4
      Weilburg-Oberlahn, im Dezember 2022


  Liebe Winzerinnen und Winzer,                                                                                           

  Nach Weihnachten beginnen die Tage langsam länger zu werden. Es ist Zeit für die anstehenden Arbeiten im Weinkeller, aber auch für die Planung im Weinberg. Nasskalte Tage eignen sich gut für Kellerarbeiten oder zur Planung.


Kellerarbeit
   Bisher dürften die meisten Weine schon einmal abgestochen worden sein. Im Trubstoff ist noch einiges an Wein vorhanden, der durch einfache Kellertechnik „gerettet“ werden kann. Durch Mischen von Trub mit der Zellulose „Trub-Ex Neu“ wird der Trub verdichtet und kann nochmals mit einer Presse ausgepresst werden. So lässt es sich bis 90 % des im Trub gelösten Weines gewonnen werden.
   Nach dem Abstich erfolgt die Klärung und Schönung des Weins. Die Zugabe von Bentonit beschleunigt die Klärung, dient aber auch der Eiweißstabilisierung. Größere Mengen Eiweiß im Wein führen häufig zur Eiweißausfällung und Trübung im abgefüllten Wein. Weitere Mittel für Klärung und Schönung sind Gelatine und Kieselsol, die auch Bitterstoffe wie Tannin binden, so dass diese bei der Filtration beseitigt werden.
   Nach dem Abstich sollte die Gesamtsäure gemessen und bei Bedarf reduziert werden. Als Ziel sollte beim Weißwein 6,3 - 7,3 g/L Gesamtsäure sein, beim Rotwein 4 - 5,5g/L.
   Neben der chemischen Entsäuerung mit Kalzium oder Kalium Carbonat ist ein biologischer Säureabbau vom Vorteil, besonders dann, wenn Apfelsäure vorhanden ist. Der biologische Säureabbau erfolgt durch Beimpfen mit Milchsäuere Bakterien, die Apfelsäure in Milchsäure umwandeln. Wichtig bei dem biologischen Säureabbau ist, dass der freie SO2Gehalt im Wein nicht höher wie 15-20 mg/L ist. Wer den Titrovin Zylinder zum Messen der Gesamtsäure hat, kann auch den freien SO2 Gehalt bestimmen. Ein Grund dieses Gerät zu kaufen statt ein etwas billigeres Gerät.
Vorgehensweise mit dem Titrovin Zylinder: Wein bis zum ersten Strich an der GELBEN Skala auffüllen, mit Stärke-Säure-Lösung bis zur gelben Nullmarke weiter auffüllen, dann durch mehrfaches Kippen mischen. Jetzt langsam tropfenweise Jodid-Jodat Lösung dazu geben bis eine leichtblaue Farbe erscheint. Die blaue Farbe muss mindestens 30 Sekunden stehen bleiben. Die Menge an freiem SO2 wird an der gelben Skala abgelesen. Vor dem Abfüllen sollte der Wein auf 50-80 mg freien SO2 eingestellt werden.

   Wenn bei einer Entsäuerungstrübung oder Schönungstrübung nach Abschluss des Vorgangs noch Trübung vorhanden ist, sollte der Wein filtriert werden. Sehr kleine Mengen (kleiner 10 L) kann man mit einem großen Faltenfilter filtrieren. Für größere Mengen braucht man entweder einen Kerzenfilter oder einen Plattenfilter. Bei Verwendung des Kerzenfilters wird Filtrationszellulose in den Wein gemischt. Dadurch wird beim Filtern ein Filterkuchen aufgebaut. Anschließend wird je nach gewünschter Filtrationsschärfe weitere Zellulose in den Wein gemischt und der Wein danach filtriert. Ist der Kerzenfilter voll, lässt er sich leicht von der mit Filtrat verunreinigten Zellulose reinigen und es kann sofort weiter filtriert werden. Ein Vorteil sind die geringen Kosten für Filtrationszellulose gegenüber Filterplatten. Bei Bedarf können Sie mich gerne ansprechen.
Nach Entsäuerung und Klärung kann die Sensorik verbessert oder korrigiert werden. Möglich sind Zugaben von Eichenchips, Mannoprotein, Hefezellwand, Tannin oder Gummi Arabicum. Mit diesen Schritten haben Sie die letzte Möglichkeit, den Weinstil vor der Abfüllung zu verbessern.


Arbeit im Weinberg:
Durch den bisherigen milden Winter ist man geneigt jetzt den Rebschnitt durchzuführen. Für Anlagen die 4-5 Jahre alt sind, ist das meistens kein Problem. Jüngere Anlagen, wo die Triebe im letzten Jahr kümmerlich gewachsen sind und die Triebe dünner als bleistiftdick sind oder die Triebe nach dem Blattfall noch grün waren, sollten erst später, etwa Anfang bis Mitte März geschnitten werden. Hierbei sollten die Triebe bis auf zwei Augen gekürzt werden, damit die neuen Triebe dicker werden. Auch hier gilt: Nur einen Trieb senkrecht wachsen lassen, um den Stamm zu bilden. Ist der Trieb im vorigen (Pflanz-) Jahr mindestens 80-100 cm hoch und hat einen Durchmesser von 0,6-1,0 cm, kann der Trieb auf Stammhöhe geschnitten werden. Hierbei sollte der Stammkopf ca. 10-15 cm oberhalb dem untersten Draht (Bindedraht) liegen, aber etwa 10 cm unterhalb des zweiten (Biege-) Drahtes liegen. Somit sind die Voraussetzungen für eine Erziehung zum wundarmen Rebschnitt gegeben.
   Nach dem Schnitt sollte die Draht-Rahmen-Anlage eventuell gerichtet und erneuert werden. Dann sind die Voraussetzungen für Biegen und Gerten, die Anfang März durchgeführt werden, gegeben.
   Pflanzenschutz: Ulrich Klein hat den Kurs über Pflanzenschutz in Geisenheim absolviert und die Prüfung erfolgreich abgelegt: Gratuliere Uli!!
   Uli und ich werden den neuen Rebschutzplan für 2023 erstellen und im März verteilen. Dazu ist eine praktische Übung geplant, wobei Jeder seine Spritze kalibrieren kann und in Spritztechnik Erfahrung sammeln kann.

   Pflanzrechte: Die Weinbau - Oberlahn GbR wird im Januar Pflanzrechte für die Restfläche im Weinberg Gräveneck beantragen, damit der gesamte Weinertrag verkehrsfähig wird. Mitglieder, die ihren Hobbyweinberg noch nicht beim Weinbauamt Eltville gemeldet haben, sollten das jetzt machen. Es ist damit zu rechnen, dass mit zunehmender Bepflanzung von Hobbyweinbergen die Kontrolle durch das Weinbauamt intensiviert wird. Nicht gemeldete Weinberge können zwangsweise gerodet werden, plus Bußgeld. Ideal wäre, wenn unsere Mitglieder beim BMEL Anträge auf Pflanzrechte stellen würden, denn durch Zuteilen von Pflanzrechten darf der Wein erst in den Verkehr gebracht werden (Ausschank, Geschenk, Verkauf).


   Zur guter Letzt: Wir vom Vorstand wünschen Allen einen guten Rutsch, Gesundheit, Glück und Erfolg im Weinjahr 2023.

Terrill Eckert,

Für den Vorstand
1. Vorsitzender

 


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